Credit Default Swaps (CDS)

Credit Default Swaps sind ein wichtiges Instrument im modernen Risikomanagement, das es Marktteilnehmern ermöglicht, Kreditrisiken abzusichern, zu diversifizieren und auf Bonitätsänderungen zu spekulieren.

Veröffentlicht am 24.03.2023

Credit Default Swaps sind ein wichtiges Instrument im modernen Risikomanagement

Ein Credit Default Swap (CDS) ist ein Finanzderivat, das als Versicherung gegen das Ausfallrisiko eines Kreditnehmers fungiert. Sie wurden in den 1990er Jahren entwickelt und sind zu einem wichtigen Instrument der Risikomanagementbranche geworden. CDS ermöglichen es den Marktteilnehmern, das Kreditrisiko zu übertragen oder abzusichern, und bieten Anlegern die Möglichkeit, auf die Bonität von Unternehmen oder Staaten zu spekulieren.


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Wie funktionieren Credit Default Swaps?

Ein CDS besteht aus zwei Vertragsparteien: dem Käufer und dem Verkäufer. Der Käufer des Swaps zahlt eine regelmäßige Prämie an den Verkäufer, der im Gegenzug verspricht, den Käufer im Falle eines Kreditausfalls (z.B. Insolvenz oder Zahlungsverzug) zu entschädigen. Die Entschädigung kann entweder in Form einer Barzahlung oder durch Übernahme der ausgefallenen Schuld erfolgen.

Ein Beispiel für Credit Default Swaps (CDS):

Nehmen wir an, Unternehmen A hat eine Anleihe über 1 Million Euro emittiert, die von Investor B gekauft wurde. Investor B möchte sich nun gegen das Risiko absichern, dass Unternehmen A die Anleihe nicht zurückzahlen kann (Kreditausfallrisiko). Um dies zu tun, schließt Investor B einen Credit Default Swap mit Bank C ab.

In diesem Szenario ist Bank C der Verkäufer des CDS, während Investor B der Käufer ist. Die Parteien einigen sich auf einen jährlichen Betrag, den Investor B an Bank C zahlen muss, um sich gegen das Kreditausfallrisiko abzusichern. Dieser Betrag wird als "CDS-Spread" bezeichnet und könnte beispielsweise 2% des Nominalwertes der Anleihe betragen, also 20.000 Euro pro Jahr.

Wenn Unternehmen A nun seinen Zahlungsverpflichtungen aus der Anleihe nachkommt und keine Zahlungsausfälle auftritt, zahlt Investor B weiterhin den jährlichen CDS-Spread von 20.000 Euro an Bank C. Im Gegenzug hat sich Investor B gegen das Kreditausfallrisiko abgesichert.

Sollte jedoch Unternehmen A zahlungsunfähig werden und die Anleihe nicht zurückzahlen können, greift der Credit Default Swap. In diesem Fall ist Bank C verpflichtet, Investor B den Nominalwert der Anleihe (1 Million Euro) auszuzahlen. Damit wird das Kreditausfallrisiko von Investor B auf Bank C übertragen, und Investor B erhält trotz des Zahlungsausfalls von Unternehmen A seine Investition zurück.

Es ist wichtig zu beachten, dass der Handel mit CDS nicht auf den Besitz der zugrundeliegenden Anleihe beschränkt ist. Auch Marktteilnehmer, die die Anleihe von Unternehmen A nicht besitzen, können CDS als Spekulationsinstrument nutzen, um auf die Bonität von Unternehmen A zu wetten.

Anwendungsbereiche von CDS:

  1. Absicherung: Sie ermöglichen es Kreditgebern und Investoren, sich gegen das Ausfallrisiko abzusichern, indem sie das Kreditrisiko an eine dritte Partei (den CDS-Verkäufer) übertragen. Dies kann insbesondere bei Investitionen in Anleihen oder anderen kreditbezogenen Instrumenten hilfreich sein.
  2. Risikotransfer: Banken und Finanzinstitutionen können mit diesen Swaps das Kreditrisiko in ihren Portfolios diversifizieren, indem sie das Risiko auf andere Marktteilnehmer übertragen.
  3. Spekulation: Anleger können Credit-Swaps nutzen, um auf die Bonität eines Unternehmens oder Staates zu spekulieren. Wenn sie glauben, dass sich die Kreditwürdigkeit eines Schuldners verschlechtert, können sie CDS kaufen, um von steigenden CDS-Prämien zu profitieren. Umgekehrt können sie CDS verkaufen, wenn sie erwarten, dass sich die Kreditwürdigkeit verbessert.

Wichtige Aspekte von CDS:

  1. Bewertung: Die Prämie, die der Käufer zahlt, spiegelt das wahrgenommene Kreditrisiko des zugrunde liegenden Schuldners wider. Je höher das Risiko, desto höher ist die Prämie.
  2. Liquidität: Der CDS-Markt ist in den letzten Jahren gewachsen und hat an Liquidität zugenommen, was es den Marktteilnehmern erleichtert, CDS-Positionen einzugehen oder zu schließen.
  3. Transparenz: Der Markt hat in der Vergangenheit Kritik aufgrund mangelnder Transparenz und Regulierung erfahren. Infolgedessen wurden in den letzten Jahren regulatorische Maßnahmen ergriffen, um die Transparenz und Stabilität des CDS-Marktes zu verbessern.
Durch zu viel Spekulation wurde der Ruf der CDs mit Mitleidenschaft gezogen.
Durch zu viel Spekulation wurde der Ruf der CDs mit Mitleidenschaft gezogen.

Risiken im Handel mit Credit Default Swaps: Kontrahentenrisiko und Liquiditätsrisiko

Der Handel mit Credit Default Swaps birgt sowohl das Kontrahentenrisiko als auch das Liquiditätsrisiko. Diese Risiken können die Effektivität von CDS als Absicherungsinstrument beeinträchtigen und zu finanziellen Verlusten führen. Anleger, die CDS einsetzen, sollten sich der Risiken bewusst sein und geeignete Maßnahmen ergreifen, um diese Risiken zu managen und potenzielle Verluste zu minimieren.

Das Kontrahentenrisiko:

Das Kontrahentenrisiko ist das Risiko, dass der Verkäufer des CDS seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, wenn ein Kreditausfall eintritt. In solchen Fällen kann der Käufer des CDS möglicherweise keine Entschädigung erhalten. Um dieses Risiko zu managen, werden oft Sicherheiten hinterlegt oder Bonitätsanforderungen an den Verkäufer gestellt. Trotzdem bleibt das Kontrahentenrisiko ein bedeutender Faktor, der die Effektivität von CDS als Absicherungsinstrument beeinträchtigen kann.

Das Liquiditätsrisiko:

Das Liquiditätsrisiko bezieht sich auf das Risiko, dass ein Credit-Swap nicht ohne Wertverlust verkauft werden kann, weil es keine ausreichende Markttiefe oder kein ausreichendes Handelsvolumen gibt. Dies kann dazu führen, dass der Marktwert des CDS unter Druck gerät, wenn ein Investor versucht, seine Position zu verkaufen, insbesondere in Zeiten von Marktstress oder bei illiquiden CDS-Referenzanleihen. Um das Liquiditätsrisiko zu mindern, können Investoren Diversifikation und Limitierung der Handelsgröße in Betracht ziehen, um nicht zu stark von den Bewegungen eines einzelnen Credit-Swap beeinflusst zu werden.


Die Rolle von Credit Default Swaps während der Finanzkrise 2008

Die Finanzkrise 2008 war ein Wendepunkt in der globalen Wirtschaft und offenbarte zahlreiche Schwachstellen im Finanzsystem. Eine dieser Schwachstellen waren die Credit Default Swaps, die maßgeblich zur Verschleierung von Risiken und zur Instabilität des Finanzsystems beitrugen. In diesem Bericht werden wir die Rolle von CDS während der Finanzkrise 2008 beleuchten und analysieren, warum sie in der Folge kritisiert wurden.

Die Finanzkrise 2008 hat viele Banken vor der den Abgrund getrieben.
Die Finanzkrise 2008 hat viele Banken vor der den Abgrund getrieben. 

CDS und die Finanzkrise 2008

Während des Immobilienbooms vor der Finanzkrise wurden CDS in großem Umfang eingesetzt, um das Risiko von Hypothekenkrediten abzusichern.

Als der US-amerikanische Immobilienmarkt zusammenbrach und die Zahl der Kreditausfälle stieg, wurden die mit Credit-Swaps verbundenen Risiken offenbart. Viele Finanzinstitute, die CDS als Absicherung eingesetzt hatten, stellten fest, dass sie nicht ausreichend gegen die Ausfälle geschützt waren.

Dies führte zu erheblichen Verlusten und trug zur Insolvenz einiger großer Finanzinstitute bei, wie z.B. der Investmentbank Lehman Brothers.

Kritik an CDS nach der Finanzkrise

Nach der Finanzkrise wurden CDS für ihre Rolle bei der Verschleierung von Risiken und der Destabilisierung des Finanzsystems kritisiert. Zu den Hauptkritikpunkten zählten:

  1. Intransparenz: Der CDS-Markt war undurchsichtig und nicht reguliert, was es schwierig machte, die tatsächlichen Risiken und Verbindlichkeiten der Marktteilnehmer zu erkennen.
  2. Fehlanreize: Sie ermöglichten es den Marktteilnehmern, auf den Ausfall von Schuldnern zu wetten, ohne selbst ein direktes Interesse an den zugrunde liegenden Schuldtiteln zu haben. Dies schuf Anreize für spekulative Geschäfte, die das Risiko im Finanzsystem erhöhten.
  3. Falsches Gefühl der Sicherheit: Durch den Einsatz von Credit-Swaps glaubten viele Marktteilnehmer, dass sie gegen Kreditausfälle geschützt seien. Dies führte zu einer Unterschätzung der Risiken und einer übermäßigen Risikobereitschaft.

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Verbesserung von Transparenz und Regulierung im CDS-Markt

Die Kritik am CDS-Markt richtete sich vor allem gegen die Intransparenz der Marktpreise und die mangelnde Aufsicht über die Teilnehmer. Dies führte zu Bedenken hinsichtlich möglicher Marktmanipulationen und der Gefahr einer systemischen Krise, wie sie während der Finanzkrise 2008 beobachtet wurde.

Regulatorische Maßnahmen

Um die Transparenz und Stabilität des CDS-Marktes zu erhöhen, wurden in den letzten Jahren verschiedene regulatorische Maßnahmen eingeführt. Dazu gehören:

  1. Einführung von zentralen Gegenparteien (CCPs): Diese Organisationen dienen als Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern von CDS und reduzieren das Kontrahentenrisiko, indem sie die Risiken beider Parteien übernehmen.
  2. Berichtspflichten: Marktteilnehmer sind nun verpflichtet, ihre CDS-Transaktionen bei Handelsdatenbanken (Trade Repositories) zu melden, um die Transparenz und Nachverfolgbarkeit der Geschäfte zu erhöhen.
  3. Einführung von Handelsplattformen: Credit-Swaps müssen auf regulierten Handelsplattformen gehandelt werden, die transparente Preisbildung und faire Handelspraktiken sicherstellen.
  4. Höhere Kapitalanforderungen: Banken und andere Finanzinstitute, die im CDS-Markt tätig sind, müssen nun höhere Kapitalreserven vorhalten, um potenzielle Verluste aus CDS-Positionen abzusichern.

Alternative Finanzinstrumente zu Credit Default Swaps: CDOs und CLOs

CDOs und CLOs sind alternative Finanzinstrumente zu CDS, die ähnliche Funktionen erfüllen, indem sie das Kreditausfallrisiko diversifizieren und Investoren die Möglichkeit bieten, in verschiedene Risikoklassen zu investieren. Allerdings sind sowohl CDOs als auch CLOs nicht ohne Risiken, und ihre Komplexität kann dazu führen, dass die zugrunde liegenden Risiken nicht immer leicht erkennbar sind. Investoren sollten sich daher gründlich über diese Finanzinstrumente informieren, bevor sie in sie investieren, um mögliche Verluste zu minimieren.

Collateralized Debt Obligations (CDOs)

CDOs sind strukturierte Finanzprodukte, die aus verschiedenen festverzinslichen Wertpapieren, wie Anleihen oder Krediten, zusammengesetzt sind. Diese Wertpapiere werden gebündelt und in Tranchen aufgeteilt, die nach Risiko und Rendite gestaffelt sind. Investoren können in diese Tranchen investieren, je nach ihrem Risikoappetit und Renditeerwartungen.

Die Risiken der verschiedenen Wertpapiere im CDO-Pool werden diversifiziert, indem sie auf verschiedene Tranchen verteilt werden. Dadurch können Investoren das Kreditausfallrisiko auf verschiedene Weise absichern. Allerdings sind CDOs während der Finanzkrise 2008 auch in die Kritik geraten, da sie die Risiken in den zugrunde liegenden Wertpapieren, insbesondere im Zusammenhang mit Hypothekenkrediten, verschleiert haben.

Zu den CDS gibt es alternative Finanzprodukte wie CDOs und CLOs.
Zu den CDS gibt es alternative Finanzprodukte wie CDOs und CLOs.

Collateralized Loan Obligations (CLOs)

CLOs sind ähnlich wie CDOs, aber sie konzentrieren sich auf Unternehmenskredite statt auf Anleihen oder Hypotheken. CLOs bündeln Unternehmenskredite und teilen sie in verschiedene Tranchen auf, die unterschiedliche Risiken und Renditen aufweisen. Dies ermöglicht es Investoren, in Unternehmenskredite zu investieren, ohne das volle Kreditausfallrisiko tragen zu müssen.

Wie bei CDOs können CLOs dazu beitragen, das Kreditausfallrisiko zu diversifizieren und Investoren die Möglichkeit bieten, in riskantere Kredite zu investieren, ohne das gesamte Risiko tragen zu müssen. Allerdings können auch CLOs die Risiken der zugrunde liegenden Kredite verschleiern und bei einer Verschlechterung der Kreditqualität zu Verlusten für Investoren führen.


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Fazit: Credit Default Swaps - Chancen und Risiken

Credit Default Swaps sind ein bedeutendes Finanzinstrument, das Investoren die Möglichkeit bietet, sich gegen Kreditausfallrisiken abzusichern oder auf Kreditausfälle zu spekulieren. Sie haben jedoch auch ihre Schattenseiten, wie die Finanzkrise 2008 gezeigt hat, als sie zur Verschleierung von Risiken und zur Destabilisierung des Finanzsystems beigetragen haben.

In den letzten Jahren wurden regulatorische Maßnahmen ergriffen, um die Transparenz und Stabilität des CDS-Marktes zu verbessern. Dennoch sollten Investoren sich der Risiken bewusst sein, die der Handel mit Swaps mit sich bringt, wie das Kontrahentenrisiko und das Liquiditätsrisiko. Es ist wichtig, sich umfassend über Credit-Swaps und ihre Funktionsweise zu informieren und eine sorgfältige Risikobewertung vorzunehmen, bevor man in diese Finanzinstrumente investiert.

Insgesamt sind Credit Default Swaps ein nützliches Instrument zur Risikosteuerung und Renditeerzielung, wenn sie verantwortungsvoll und informiert eingesetzt werden. Dabei sollte man stets die zugrunde liegenden Risiken und die möglichen Auswirkungen auf das Finanzsystem im Auge behalten.


Ein Übersicht der Banken mit den aktuellen CDS Sätzen finden Sie hier:

Credit Default Swaps (CDS) - Deutscher Derivate Verband (DDV)
Der Deutsche Derivate Verband (DDV) ist die Branchenvertretung der führenden Emittenten strukturierter Wertpapiere in Deutschland.

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